Autor Thema: E10 tanken, ja oder nein?  (Gelesen 253 mal)

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Offline Schwarzer_Schakal

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E10 tanken, ja oder nein?
« am: 23. Jul 22, 13:47 »
Moin

Ich habe mal eine Frage bezüglich E10 Kraftstoff, zwar gibt es schon einige Threads hier die jedoch knapp 10 Jahre und älter sind. Leider ist es wie so oft, das es nach 4 Antworten eher ums Butterbrot mit Käs geht anstatt ums eigentliche Thema.

Wer tankt mit seinem Wagen E10?
Stimmt es das der Wagen weniger verbraucht mit diesem? (Habe ich jetzt schon öfter gelesen)
Habt ihr Nachteile feststellen können?

Es geht mir nicht um die 10 Cent Unterschied, sondern um das ewige Vorurteil das die alten Motoren und Einzelteile kaputt gehen. Hatte gestern eine rege Diskussion mit Freunden über das Thema.

Es geht jetzt hier nicht um die Theorie und Glaubensfrage, sondern um wirklich Praktische Erfahrungen damit.

Grüße Thorsten
Wir machen keinen Porno Baby wir machen Rock`n Roll......

Offline Chris95

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Re: E10 tanken, ja oder nein?
« Antwort #1 am: 23. Jul 22, 17:58 »
Servus,

Ich fahre in meinem Wagen E10. Vor (mit originalem Motor) sowie nach der Revision/ Tuning habe Ich nie negative Erfahrungen gemacht. Ich gab manchmal etwas Additiv in den Tank, um die Dichtungen und Pumpe etwas zu schmieren, aber ansonsten Feuer frei.

2 Dinge die technisch gesehen von Belang sind:

Das Auto KANN (etwas) mehr mit E10 als mit E5 verbrauchen, das liegt an dem geringeren Energiewert des Ethanols als die Alkane des Sprits. Ausschlaggebend hierfür ist, wie es angerührt wurde. E5 heißt ja, es kann bis zu 5% Ethanol enthalten, E10 5-10%, kann also sein, dass du mal mehr mal weniger Ethanol drin hast als das was am Schild zu tanken steht.

E10 oder hoher Ethanol haltiger Sprit ist für Kurzstrecke nicht geeignet, da das Wasser im Ethanol (C2H5OH) aus den Verbrennungsgasen kondensiert und dann ins Öl gelangt. Dadurch erhöht sich der Wasseranteil im Öl, was es dünner macht. Normalerweise verdampft das Kondensat bei einer funktionierenden Kurbelgehäuseentlüftung, wenn es genug Temperatur hat... Darum auch Kurzstrecken damit vermeiden.

Aber wir reden hier nur von geringen Prozentanteilen mehr...
Praxisnah mit unseren Hobeln hatte Ich bisher nie ein Problem mit E10. Mit originalen Injektoren und jetzt Injektoren von Accel. Die Amis haben den ethanolhaltigen Kraftstoff schon wesentlich früher als wir eingeführt... ;)
1988 Firebird Formula 305 TPI

Offline Esilar

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Re: E10 tanken, ja oder nein?
« Antwort #2 am: 25. Jul 22, 10:51 »
Mit dem Camaro (94er Baujahr) tanke ich E5, mit dem Marauder (2004er Baujahr) immer E10.

Mehr-oder Minderverbrauch ist mir nicht aufgefallen. Ich denke mal, das geht im Rauschen unter, so konstant fahre ich nicht die gleichen Strecken.
Camaro '94 V8
Marauder '04 V8

Offline Ferdi454

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Re: E10 tanken, ja oder nein?
« Antwort #3 am: 25. Jul 22, 18:09 »
...das liegt an dem geringeren Energiewert des Ethanols als die Alkane des Sprits...


Richtig, dafür hat aber auch Ethanol E85 bzw. E100 einen wesentlich höheren Oktanwert als Superbenzin E5  bzw. E0 (130 ROZ [!] vs. 95 ROZ bzw. 91 ROZ) und wird daher auch nicht nur als "Füllmittel" in das Benzin gemischt, sondern auch als klopffestiger - so kann man z.B. auf karzinogenes Benzol (oder wie früher auf TEL) verzichten.

(sehr interessantes Video zum Thema TEL:)




Einen Mehrverbrauch konnte ich nicht feststellen, fahre nun seit 2 Saisons ausschließlich mit E10.

Zumal: In den USA gibt es fast ausschließlich nur Super E10, und das schon seit 1990 (source)
und für den europäischen Markt bzw. kanadischen Markt wurden deshalb unsere Autos ganz bestimmt nicht "schlechter" gebaut, nur weil wir damals kein E10 gefahren sind. Ganz im Gegenteil, gibt auch zich umbauten, die mit E85 aka straight whiskey rumfahren  :lechz: (FlexFuel-Sensor, neuer tune & feuer frei.)


In Brasilien fährt man bis zu E25..

BMW gibt beispielsweise alle (!) jemals gebauten Autos für E10 frei. (source)


Hintergrund der Freigaben ist eigentlich, wie damals bei Einführung erklärt worden ist, dass Dichtungen sowie Leitungen aus Naturgummi oder Latex aufgrund Ethanolanteil aufquellen könnten; ob jetzt ne 5%-ige Erhöhung viel ausmacht, ist mal dahingestellt..

vielmehr war wahrscheinlich die Sorge, ob es dazu kommen könnte - das könnte den Herstellern Millionen an Rückruf kosten.


NBR, Silikon, PUR usw. sind weitgehend beständig.

Kondens ist nichtmal soo wichtig, solange du kein blowby (undichte Kolbenringe) oder undichte Einlassventile hast. Bei der Verbrennung von Benzin ensteht ja so oder so Unmengen an Wasserdampf, da ist der Ethanolzusatz zu vernachlässigen:

Ideale Verbrennung:
Ethanol: C2H5OH + 3O2 → 2CO2 + 3H2O ( 46g/mol)
Heptan: C7H16 + 11O2 → 7CO2 + 8H2O  (ca 100g/mol)
(Heptan= mitunter Hauptbestandteil von Benzin)

(also selbst nach der molMasse ausgehend entsteht bei der Verbrennung von Ethanol weniger Wasserdampf als bei Heptan)




Kurz gesagt: ja kannst du.
« Letzte Änderung: 25. Jul 22, 18:14 von Ferdi454 »
Grüße,
Ferdi



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